Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Geltow

Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Geltow beginnt im Herbst des Jahres 1908 – beinahe. Der damalige Gemeindevorsteher hatte eine Einwohnerversammlung einberufen, die, die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr zum Inhalt hatte. Allerdings konnten sich damals nur wenige Bürger Geltows, später wird mal die Zahl 9 genannt, mit dem Gedanken anfreunden irgend etwas freiwillig zu tun, was mit viel Zeit und körperlichen Anstrengungen verbunden ist. Mehr Glück hatte da der neue Gemeindevorsteher Ernst Draeger, der am 22. Mai 1909 die Bürger Geladen hatte. Er verlas ein Schreiben des Landrates, in welchem derselbe die Neuregelung des Feuerlöschwesens auf Grund der Bestimmungen, die am 1. Januar 1910 in Kraft treten, forderte und der Gemeinde empfahl eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. Nach angestrengtem Für und Wider verpflichteten sich 24 Herren der neuen Wehr beizutreten.

Am 1. Juni 1909 erfolgte die Festsetzung der Statuten und die Wahl des Vorstandes. Ebenfalls gewählt wurden: ein Oberführer, ein Führer, ein Spritzenführer und Zeugwart, ein Schriftführer u. Kassierer – Otto Busse – der Großvater des heutigen Kameraden Gerhard Busse.

Bei der nun folgenden Schulung und Ausbildung erhielten die Geltower Unterstützung durch die Werderaner Wehr.Brandmeister Kühn und einige seiner Kameraden konnten viele Fragen beantworten und gaben Hinweise zur Bekleidung und Ausrüstung. Der finanzielle Grundstock wurde durch Spenden Geltower Bürger und Berliner Industrieller, die ihre Villen in Geltow hatten, gebildet. Die erste Übung der Wehr wurde von Brandmeister Kühn aus Werder geleitet. Diese fand am 15. September 1909 statt. Am 3. Oktober wurde das erst Foto aufgenommen. Von nun an traf man sich regelmäßig, einmal im Monat, zur Versammlung. Diese fand in den verschiedensten Geltower Lokalen statt, deren Betreiber oder Besitzer meist alle selbst Mitglieder der Wehr waren. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich allerdings das Lokal des Kameraden Schreiber zum Vereinslokal heraus ( heute: Handwebereimuseum).

Bis zur Abnahme der Wehr durch den Kreisbrandmeister aus Nauen am Sonntag, den 5. Dezember 1909 fanden 10 Übungen statt, die gemeinsam durch Oberführer Kühn aus Werder und Oberführer Robert Scheffler aus Geltow geleitet wurden. Hierüber liegt ein Presseartikel vor, welcher auch die Einführung der elektrischen Beleuchtung in Geltow erwähnt.

In den darauf folgenden Jahren wurden zahlreiche Übungen an verschiedenen Objekten innerhalb der Gemeinde aber auch gemeinsam mit den Werderaner Kameraden in Werder durchgeführt. Die Zahl der Brandeinsätze war relativ gering und beschränkte sich auf einige Waldbrände, Kohleschuppen und Reisigmieten. Die Einsatzbereitschaft wurde durch ein Kartensystem ( ähnlich der Schneekarten in Mietshäusern ) gewährleistet. Die Gespannbesitzer wechselten sich, wie auch die Wasserwagenbesitzer, in einem bestimmten Rhythmus ab.Das heißt der Wasserwagen musste über Nacht gefüllt auf dem Gehöft abgestellt sein. Verschiedentlich wurden öffentliche Feste und Theateraufführungen organisiert, deren Erlös der Kleiderkasse zugeführt wurde. Zur Tradition wurden die Weihnachtsfeste, wo die Kinder der Kameraden beschert wurden, während des Weltkrieges auch andere Kinder.

Bis zur Anschaffung einer elektrische Sirene wurde die Wehr von bis zu vier Hornisten alarmiert, die mit dem Fahrrad durch die Gemeinde fuhren und ins Horn stießen. Hierzu eine kleine Anekdote. In Abwesenheit ihres Bruders alarmierte Frl. Berta Scheffler die Wehr und erhielt als Dank und Auszeichnung vom Kreisbrandmeister Arnecke eine Brosche. Geschehen im Juli 1911.

Regelmäßig im Sommer, meist im August, wurden die Stiftungsfeste gefeiert. Hierzu wurden Nachbarwehren geladen. Ebenso war man häufig bei den umliegenden Wehren zu deren Festlichkeiten mit Abordnungen vertreten. Eine Enge Zusammenarbeit gab es von Anfang an mit den übrigen Geltower Vereinen ( Gesangsverein „ Concordia", Waffengefährtenverein und Turnverein). Gute Kontakte hatte man zu Potsdamer „Theaterverein 04" und zum Mandolinenclub „Frohsinn".

Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges mussten einige Kameraden ins Feld ziehen. Der Kontakt zu den Daheim gebliebenen riss jedoch nie ab. Man tauschte Kartengrüße aus und es wurden Sammlungen für kleine Geschenke, wie Tabak und sonstiges veranstaltet. Nach dem Krieg ging das Vereinsleben in geordneter Weise weiter. Versammlungen, Übungen und Festlichkeiten wechselten einander ab. Es gab einige größere Brände wo die Wehr zu Einsatz kam ( Märkische Industriewerke Golm, Bootswerft Ernst Scheffler). Einen tiefen Einschnitt gab es am 14. August 1926, als der Kamerad Brandmeister Robert Scheffler im Alter von 59 Jahren plötzlich an Herzversagen verstarb. Die Wahl des neuen Brandmeisters erfolgte am 8. September 1926. Einstimmig zum Nachfolger wurde der bisherige Schriftführer Otto Busse gewählt. Am Sonnabend, den 30. Juni 1928 konnte eine Kleinmotorspritze in Empfang genommen werden. Es wurde eine Saugprobe am Tiefbrunnen in Geltow vorgenommen. Anlässlich des 20- jährigen Bestehens wurde 1929 das Gerätehaus, in der Mitte des Ortes ander neu gebauten Schule, bezogen. Die Übungen fanden auf dem Schulhof statt, der anschließend von den Kameraden, mit eigens hierzu angeschafften Harken wieder in den Urzustand gebracht werden musste. Außerdem konnte im gleichen Jahr ein gebrauchtes Fahrzeug der Marke Opel zum Preis von 825,- Mark angeschafft werden. Neues Vereinslokal wurde der „Grüne Baum", damals im Besitz der Familie Scholz, heute abgerissen ( Supermarkt).

 

Während des 2. Weltkrieges kam die Wehrüberwiegend in Berlin zum Einsatz. Dort ging es aus Bereitstellungsräumen heraus in die Zentren der Bombenangriffe. Beim Angriff auf Potsdam leisteten die Geltower in der Nähe der Französischen Kirche der Stadt Beistand. Aber auch Geltow wurde bombardiert. Allerdings wurden die Anfang des Krieges verwendeten Stabbrandbomben von vielen Hausbesitzern erfolgreich mit Gartenschläuchen bekämpft. Nach dem Krieg ging es mit einem aus Schrottteilen zusammengebauten Auto weiter, bis ein Garant 30 K angeschafft wurde. Dieser wurde 1981 durch einen Robur LO 2002 A mit Schlauchtransportanhänger abgelöst. Im Jahre 1994 erhielt die Wehr zusätzlich einen Opel Blitz (Bj. 1967) von einem ehemaligen Mitglied der Wehr – Klaus Bathe – dankenswerter Weise geschenkt. Mit diesem Fahrzeug wurden viele Einsätze gefahren, hatte es doch einen eingebauten 600 Liter Wasserbehälter. Als die Caputher Wehr Ihr neues TLF 16/25 in Dienst stellten, erhielten wir 1998 ihr TLF 16 G W50. Der Opel Blitz wurde darauf hin zum Hilfsrüstwagen umgebaut und tat seinen Dienst noch bis zum Jahr 2000. An seine Stelle trat ein Ford Transit. Der bei der Polizei ausrangiert wurde. Anlässlich des 90- jährigen Bestehens – 1999 – erhielt die Wehr einen Einsatzleitwagen ( Opel) von einem ortsansässigen Honda Autohaus. Im darauf folgendem Jahr wurde der Wehr ein neues Gerätehaus zur Verfügung gestellt. Es wurde am alten Standort errichtet ( siehe Foto). Am 19. Dezember 2002 konnte endlich ein modernes LF 16/12 der Firma Ziegler in Dienst gestellt werden.