Eisrettung

Eisrettung – Einsatz auf dünnem Eis


Alle paar Jahre, wenn die Havel um den Schwielowsee gefriert heißt es für die Kameraden der Feuerwehr warm Anziehen, warme Getränke vorbereiten und ab zur Eisrettungsübung.

Um für den Ernstfall gut vorbereitet zu sein, muss jede Möglichkeit genutzt werden, um das Retten einer in das Eis eingebrochenen Person zu üben. Da sich die Chance nur alle paar Jahre bietet, warten alle bei länger anhaltenden minus Graden auf das gefrieren der Seen.

Während sonst Schlittschuhe und Eishockeyschläger abgestaubt werden, wird bei der Feuerwehr der Eisrettungsschlitten und der Überlebensanzug auf dem Fahrzeug verstaut, um einer eingebrochenen Person schnell helfen zu können.

Ein Retter im Überlebensanzug macht sich mit dem Eisrettungsschlitten auf den Weg zum Verletzten.
Foto: Sören Bels

Der Retter trägt einen sogenannten Überlebensanzug, das aus dem Maritimen stammende Rettungsmittel dient dazu, eine Person vor der Kälte und dem Ertrinken im Wasser zu schützen. Durch diesen Anzug ist es dem Retter möglich, auch bei längerem Kontakt mit dem kalten Wasser einer Ertrinkenden Person zu helfen.

Der Eisrettungsschlitten, ein Mayday-Hansa-Board ist ein speziell für die Eisrettung entwickelter Schlitten. Dieser ist schwimmfähig und ermöglicht somit eine Rettung auch auf sehr brüchigem Eis. Für die Fortbewegung auf dem Wasser verfügt es über ein Paddel. Auf dem Eis wird der Schlitten so weit wie möglich an die verletzte Person herangeschoben. Wenn das Eis um die Unglücksstelle brüchiger wird, kann der Retter sich auf das Board setzen und sich mit Eispickeln oder einer Hakenstange näher zum verletzten ziehen.

Ist die verletzte Person noch in der Lage, bei der Rettung zu unterstützen, sind am vorderen Ende des Schlittens Haltegriffe und Schlaufen angebracht. An diesen sich kann sie sich festhalten oder sogar auf das Board ziehen. Der Retter kann über das Board zur verletzten Person vor klettern und diese auf den Schlitten ziehen.

Der Retter ist während der ganzen Zeit mit dem Schlitten verbunden, um auch bei einem Sturz in Wasser das Abtreiben des Schlittens zu verhindern. An dem Eisrettungsschlitten ist ein 300 m langen Seil befestigt. Mit diesem Seil wird der Retter mit der verletzten Person an Board nach erfolgreicher Befreiung aus dem Eis wieder an Land gezogen. Hierfür stehen am Ufer mehrere Kameraden bereit, die dann auf Befehl die Leine einholen.

Am Ufer stehen mehrere Kameradenbereit um den Retter und den Verletzten wieder an Land zu ziehen.
Foto: Sören Bels

Sollte es zu einem Einsatz dieser Art kommen werden alle drei Ortswehren der Gemeinde Schwielowsee allarmiert. Somit stehen dann drei Retter mit Schlitten zu Verfügung um die verunglückten zu Retten. Bei größeren Distanzen kann somit auch die Reichweite der Leine um weiter 2×300 m erweitert werden.

Video einer Übung:

Eissegler auf dem Schwielowsee bei Ferch eingebrochen:

Am Dienstagnachmittag, dem 01.03.2011, wurden die drei Ortswehren der Feuerwehr Schwielowsee zu einem Verunglückten Eissegler gerufen. Wie sich Vorort herausstellte, brach ein 73-jähriger Eissegler bei seinem Ausflug auf dem Schwielowsee ca. 700 m entfernt vom Ufer ein und konnte sich nur noch durch lautes Rufen bemerkbar machen. Anwohner hörten die Hilferufe und alarmierten die Rettungskräfte.

Symbolbild

Durch die große Entfernung zum Ufer war es ein anspruchsvoller weg über das rutschige Eis. Nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch für das Material, denn die speziellen Eisrettungsschlitten sind für einen Einsatz von 300 m konzipiert. Dem Vorhalten von drei solcher Schlitten in der Gemeinde ist es zu verdanken, dass die Einsatzkräfte mehrere der Leinen aneinander knüpfen konnten, um somit den Eingebrochenen schließlich zu erreichen.

Am Verunfallten angekommen gelang es dem Retter, den völlig unterkühlten Eissportler auf den Rettungsschlitten zu ziehen. Die Kameraden am Ufer begannen darauf hin, die beiden wieder in Richtung Ufer zu ziehen. Dies war für die Einsatzkräfte an Land mindestens genau so anstrengend wie der Weg für den Retter über das rutschige Eis.

Auf dem Weg zum Ufer blieb der Schlitten an einem Eisbrocken hängen und kippte auf die Seite. Der Retter und der Eissegler brachen erneut in das Eis ein. Ein zweiter Retter mit Schlitten machte sich auf dem Weg, um den beiden zu helfen. Dies gelang und so konnte der stark unterkühlte Eissegler an den Rettungsdienst übergeben werden. Er kam zur Behandlung in ein Krankenhaus.

Dies war der erste große Einsatz der Eisrettungsschlitten in der Gemeinde, es hat sich gezeigt, dass die Investition in die Anschaffung solch spezieller Eisrettungsschlitten und die Ausbildung der Kameraden die richtige Entscheidung war. Aus den Erfahrungen dieses sehr speziellen Einsatzes konnten die Abläufe für zukünftige Einsätze optimiert werden.